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geschriebenes

masterarbeit über »stricken zwischen kunst und feminismus«


Diese Masterarbeit befasst sich mit dem Stricken als künstlerische Praxis und erörtert, wie Kunstwerke feministische Bedeutung hervorbringen. Es werden künstlerische Arbeiten vorgestellt und analysiert, die das Stricken zu einem politischen, feministischen Akt machen. Sie referieren konstruktiv auf das Stereotyp, Stricken sei eine typisch weibliche und im häuslichen Kontext verortete Tätigkeit.

Basierend auf der Geschichte des Strickens und des Feminismus, widmet sich die Arbeit ausgewählten Positionen der Gegenwartskunst und jüngeren Kunstgeschichte. Herausgearbeitet werden materialbezogene und thematische Strategien, die gemeinsam einen kritischen Diskurs bilden. Erstere zeigen, wie Materialität, Zeitlichkeit und Körpernähe, die das Stricken mit sich bringt, feministische Wirkung erzeugen. Zweitere machen zumeist marginalisierte Erfahrungen wie Menstruation, Care-Arbeit und ambivalente Mutterschaft sichtbar. Zuletzt wird das Spannungsfeld zwischen Stereotypisierung und Subversion erzeugt, das bestehende Hierarchien herausfordert und eigene Ausschlüsse reflektierbar macht.

Die künstlerische Praxis des Strickens kann somit nicht nur als Handarbeit, sondern als wirkungsvolle Kunstform zur feministischen Bedeutungsproduktion verstanden werden.

https://doi.org/10.57697/4XM2-CY84




This thesis explores knitting as an artistic practice and examines how artworks generate feminist meaning. It presents and analyzes works of art that transform knitting into a political, feminist act. These artistic practices constructively reference the stereotype that knitting is a typically female activity confined to the domestic sphere.

Based on the history of knitting and feminism, the thesis focuses on selected positions in contemporary art and recent art history. Thereby, both material-related and thematic strategies are elaborated, which together form a critical discourse. The former show how materiality, temporality, and physicality inherent in knitting create feminist effects. The latter reveal largely marginalized experiences such as menstruation, care work, and ambivalent motherhood. Finally, the tension between stereotyping and subversion is generated, challenging existing hierarchies and allowing for reflection on the discourse’s own exclusions.

The artistic practice of knitting can thus be understood not only as handicraft but also as an effective art form that produces feminist meaning.







Breathe in.

    You are standing in front of a river flowing through the

    mountains. You smell the wet grass and the cool air is filling

    your lungs.

Breathe out.

    The stones beneath your feet feel unusually soft, their curves

    impede your balance but you enjoy the hard surface against

    your skin.

Breathe in.

    You take a leap forward towards the rushing cold of the stream.

    Your body starts shivering and your heart begins racing.

Breathe out.

    The flow of the water invites you in and the freeze surrounds. It

    almost feels as though the river has swallowed you whole and

    now carries you down the creek.

Breathe in.

    You feel your head swiftly emptying, becoming free, making

    space for the sensations happening in and around you. The

    river, the smell, the cold overwhelms you, filling you with joy

    and contentment.

Breathe out.




DEAF-GAIN


Der Begriff „Deaf-Gain“ wurde von H. Dirksen, L. Baumann und Joseph Murray geprägt und kritisiert den Begriff „Hearingloss“, der mit dem deutschen Wort „Gehörlos“ vergleichbar ist. Das Merkmal für die Gemeinschaft von tauben Menschen soll damit nicht mehr auf dem Fehlen (welches dem engl. „loss“ entspricht) des Gehörs, sondern auf der einzigartigen Perspektive des Taubseins liegen. Das wird mit einem Gewinn (welches dem eng. „gain“ entspricht) durch das Taubsein bezeichnet. So wird „Deaf-Gain“ verwendet, um klar die Aufmerksamkeit auf die einzigartigen kognitiven, kreativen und kulturellen Gewinne zu lenken, die Taubsein mit sich bringt. Gleichzeitig übt der Begriff Kritik an der Reduzierung tauber Menschen auf einen körperlichen „Mangel“ oder eine Behinderung (vgl. H-Dirksen L. Bauman & Joseph J. Murray, 2014). Besonders wichtig wird der Gedanke von „Deaf-Gain“ bei der immanenten Existenzfrage der Deaf Studies: „why should deaf people and their sign languages continue to exist?“ (H-Dirksen L. Bauman & Joseph J. Murray, 2010, S. 213). Gemeint sind hier u.a. Technologien, die tauben Menschen das Hören ermöglichen und so schlussendlich die Taubheit „ausrotten“ könnten. 

Eine weitere Auswirkung von Gebärdensprache wird als „methaphoric iconicity“ (H-Dirksen L. Bauman & Joseph J. Murray, 2010, S. 218) bezeichnet. Bildliche Metaphern können komplexe Konzepte einfacher dargestellen. Baumann und Murray zeigen das anhand einer Gebärendsprachnutzenden Biologielehrerin. Diese erklärt den Schüler*innen den Vorgang der Zellteilung nicht nur mit der Lautsprache, sondern macht sich die Gebärdensprache als Hilfestellung für eine visuelle Erklärung zu Nutzen. So nehmen die Schüler*innen neben der gewöhnlichen akustischen Erläuterung auch parallel eine bildhafte, metaphorische Darstellung wahr. Dadurch gewinnt die Erklärung an Klarheit. 

Die Verständigung über Gebärdensprache ermöglicht eine völlig andere Kommunikation als es mit Lautsprache möglich ist. Da es unabdingbar ist, den Augenkontakt zu halten, um das Gespräch komplett verstehen zu können, entsteht eine sonst unbekannte Nähe zum Gegenüber. Gespräche mit Gebärdensprache sind also viel intimer als in Lautsprache. Dazu kommt, dass im Gegensatz zum akustischen Artikulieren der Gebärdensprachnutzende sich nie wirklich komplett selbst sprechen sieht. Die Reaktion des Gegenübers ist die einzige eindeutige mögliche Bestätigung (vgl. H-Dirksen L. Bauman & Joseph J. Murray, 2010, S. 221). Damit nehmen beide Partner*innen des Gesprächs aktiv teil und ein passives Zuhören wird unmöglich. Diese Kommunikationsart ist einmalig in der Gebärdensprache zu finden.


All women become like their mothers. That is their tragedy. – Oscar Wilde.


Ich höre nichts außer das Rauschen in meinem Kopf. Er tut weh, alles tut mir weh, denn nichts ändert sich. Wut ist brutaler als Traurigkeit, sie zieht deinen Magen zusammen, sie bringt dir Explosion und Feuer. Außer dem Drücken in meinem Kopf spüre ich nichts. Als würde jemand von innen meine Augen auspressen wollen. Die Röte will nicht verschwinden aus meinem Gesicht, sie setzt sich fest wie ein Insekt auf der Wasseroberfläche. Krallt sich in meine Haut. Die Übelkeit bahnt sich ihren langen mühevollen Weg nach Oben – hängt sich fest in meinem Hals und brennt sich in meinen Kopf. 


Sei nicht überrascht, denke ich, wenn du dieselben Fehler machst wie deine Eltern. Wenn du dich genau so verhältst, wie sie es tun, wenn du dieselben furchtbaren Gefühle auslöst, vor denen du dein ganzes Leben weggerannt bist. 


Seit Tagen friere ich, ich tänzle auf Eierschalen um dich herum, und selbst wenn das kurz funktioniert, kracht der Boden unter ihnen zusammen. Ich halte die Hände schützend vor mein Gesicht, doch dann falle ich um und kann den Sturz nicht auffangen. 

Deine Gehässigkeit nimmt jeden Raum in unserer Wohnung ein wie Rauch. Ich kann dir nicht entkommen, nicht hier.

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